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| Einsatzstrategien von Multimediatechniken in der baugeschichtlichen Lehre |
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Daß Architektur und ihr integrierte Künste sich immer im dreidimensionalen Raum entfalten, ist eine banale aber trotzdem folgenreiche Tatsache. Gerade diese Eigenheit läßt nämlich die bis jetzt üblichen Vermittlungsversuche architektonischer Objekte auf bedrucktem Papier, erläutert durch einzelne beigegebene Pläne und Fotografien, eher unbefriedigend und einseitig wirken. Zwar kann auch die beste Reproduktion eines Gemäldes nicht den Besuch des Originals ersetzten, trotzdem gibt eine (farbige) Buchreproduktion einen bereits ganzheitlichen Eindruck. In Bezug auf die Architektur führt die bis jetzt übliche mediale Beschränkung jedoch in der Regel zu einer viel verzerrenderen Verengung des Betrachterblickes auf zweidimensional abbildbare Grundrißfiguren und Fassadenbilder. Angesichts der neuen Möglichkeiten digitaler Medien wächst deshalb gerade in der Architekturgeschichte und nicht zuletzt in ihrer universitären Lehre der Wunsch, deren Potential für einen erweiterten Zugang in der Architekturvermittlung einzusetzen. Trotz dieses grundlegenden Bedürfnisses gibt es bis jetzt aber nur wenig systematische Experimente, die den Einsatz der Neuen Medien als Erweiterung der älteren Vermittlungskonzepte untersuchen. In der Regel wurden bis jetzt fast nur Werke der Malerei, also zweidimensionale Objekte, für eine digitale Publikation ausgewählt (siehe die zahlreichen Museums Publikationen). Angesichts dieser Lage wie auch dem schnellen technologischen Fortschritt ist es zur Zeit nicht möglich, grundsätzliche bzw. standardfähige Lösungen des Problems zu bieten. Mit dem im Rahmen unseres "Altenberg Multimedia Projektes" entwickelten digitalen Publikationskonzeptes liegt jedoch ein System und seine technische Implementierung vor, die auf die besonderen Bedürfnisse einer vielschichtigen Darstellung und erläuternden Vermittlung von architektonischen Objekten zugeschnitten ist. Im Gegensatz zu einer konventionellen Buchpublikation mit ihrer seriellen Kapitelgliederung erlaubt das digital umgesetzte Hypertextkonzept, ein beliebiges Bauwerk oder eine städtebauliche Situation nicht nur virtuell zu "begehen" und so ihre Dreidimensionalität adäquater als bisher wahrzunehmen, sondern die räumliche Qualität zusätzlich als wissensstrukturierende "Mindmap" einzusetzen. Jedes denkbare Detail, ob Außenbauteil, Raumeinheit oder Baudetail ist mit flexibel zu gestaltenden Erläuterungen und Querverweisen ausstattbar(externe Links). Das die Mindmap bildende virtuelle Abbild kann dabei auf einer Kombination aus fotografiertem und computergeneriertem Material aufbauen in der z. B. letzteres rekonstruierte Zustände integriert oder alternativ vorstellt. Gerade die auch interaktiv steuerbare Kombination von aktueller Befunddarstellung und verschiedenen historischen Aufnahmen und alternativen Rekonstruktionen erlaubt es, hypothetische Interpretationen mit der angemessenen Zurückhaltung zu präsentieren. Als technischer Standard für dieses Konzept hat sich das vor kurzem eingeführte Quicktime VR bewährt, das nicht nur vom Benutzer interaktiv steuerbare panoramatische Rundblicke in Innenräumen erlaubt, sondern auch die Zusammenfügung von einer Vielzahl von Einzelpanoramen zu ganzen "Welten" und deren Ausstattung mit internen und externen Linkstrukturen. Die externen Links, die architektonischen Raum und seine Erläuterung und Deutung verbinden, führen nach dem im "Altenberg Multimedia Projekt" gewählten Schema auf Multimedia-"Seiten", auf denen die notwendigen Texterläuterungen ausgiebig durch weitere Medien wie vergrößerbare Fotos, interaktive Schemata, Videosequenzen und Einzelpanoramen ergänzt werden. Im Gegensatz zum freien Hypertext, z. B. des WWW im Internet, sorgt ein wohlüberlegtes Konzept der inhaltlich-formalen "Faltung", d. h. der interaktiv steuerbaren Dichte von präsenten Informationen, dafür, daß Sinneinheiten wahrnehmbar bleiben. So stehen dem Autor der Multimediaerläuterungen ein System von Verknüpfungen zwischen Text und Medienelementen zur Verfügung, mit deren Hilfe ein Thema übersichtlich und ausführlich zugleich behandelt werden kann. Voraussetzung ist natürlich dabei eine entsprechende Konzeption der inhaltlichen Struktur, die sich von der Strukturierung einer Buchpublikation grundlegend unterscheidet. Die über die Buchpublikation weit hinausgehenden Möglichkeiten der Inhaltsstrukturierung des Hypertextkonzeptes erlauben es letztendlich, in einer einzigen digitalen Publikation eine auf das monographisch behandelte Objekt gerichtete ausführliche Nahsicht und Detailerläuterung mit einer allgemeineren kunsthistorischen und historischen Präsentation (einer Epoche, der Stilrichtung) eng zu verbinden. Die obigen Ausführungen deuten an, daß eine multimediale Publikation nicht nur neuartige mediale Präsentation von komplexer Architektur (z. B. durch interaktive Panoramen oder Videosequenzen) ermöglicht, sondern sich besonders gut für ein didaktisches Konzept eignet, das induktiv vom Einzelfall zu größeren Sinnzusammenhängen fortschreitet. Gerade die Fähigkeit der inhaltlich-formalen "Faltung" lassen das neue Medium jenseits allzu gewollter "Animation" als ein ernsthaftes Mittel für das Selbststudium erscheinen. Zur Zeit planen wir, die Technologie des "Altenberg Multimedia Projektes" auch zur Präsentation eines Themas aus der höfischen Architektur der frühen Neuzeit einzusetzen: Am Beispiel der Residenz der sächsischen Kurfürsten in Torgau an der Elbe wollen wir die Komplexität eines frühen Schloßbaus und seiner vielfältigen Überlieferung neuartig strukturiert darlegen. Weitere Themen könnten bei sichergestellter Finanzbasis hinzukommen. |
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